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00:00:06: Es gibt sowohl dieses Material, wo eben so internationale Solidarität oder dann Völkerfreundschaft auch eine Rolle spielt.

00:00:15: Aber es gibt natürlich auch Archivmaterial, was total gewaltvoll ist.

00:00:18: Ich glaube gerade nicht das, was offiziell im Fernsehen gezeigt wurde.

00:00:23: Das ist eine Ambivalenz mit der man irgendwie eine Gleichzeitigkeit einfach.

00:00:29: Die Geschichte der DDR und generell Ostdeutschlands ist keine weiße Geschichte.

00:00:34: Sie ist geprägt von schwarzen Biografien, ihren Kämpfen.

00:00:37: Von afrodiasporischen Identitäten und Interventionen... ...und von kolonialer bzw.

00:00:42: poskoloniala Verstrickungen.

00:00:44: Der Manipod begibt sich mit der künstlerinnen- und politischen Bildnerin Marisa Singapinto auf Spurensuche Schwarzer Geschichte in einem Land das bis heute als weiße homogene Gesellschaft imaginiert wird.

00:00:55: Mein Name ist Massimo Perinelli und ich hoste den Manipot dem migrationspolitischen Debatten Podcast der Rosa Luxemburg Stiftung.

00:01:02: Hallo Marisa!

00:01:06: Ich möchte direkt reinspringen, inhaltlich und ich frage zu eurem Projekt zur schwarzen Geschichte Ostdeutschlands.

00:01:13: Gibt es eigentlich eine schwarze Geschichte OstDeutschland oder sind das nicht eher Geschichten schwarzer Biografien in Ostdeutland?

00:01:20: Gute Frage.

00:01:21: erstmal vielen lieben Dank für die Einladung auch und dass sich heute hier für unser Projekt was ich später noch mehr dazu erzählen werde vorstellen darf.

00:01:32: Genau gute Frage also.

00:01:35: Ich würde sagen, genau das ist da eigentlich gar nicht so ein additives Verständnis von geben sollte.

00:01:42: Das ganz klar und ich glaube es war auch für uns als wir unser Projekt gestartet haben von Anfang an eine Prämisse dass schwarze oder dass es eben ne schwarzen Präsenz in Ostdeutschland gab und ich glaub das war einfach der Ausgangspunkt.

00:01:57: also ich glaube schon von vornherein eben gar nicht gedacht dieses Narrativ homogene weiße Gesellschaft irgendwie entzaubern zu wollen, sondern eher als Prämisse zu setzen.

00:02:09: Dass sozusagen schwarze Geschichten Teil dieser Geschichtsschreibung sind und das natürlich wenn man es als Prämisse setzt sich auch die Geschichtsschreibungen an sich und die Perspektive auf die Vergangenheit und aber auch die Gegenwart natürlich dadurch verändert.

00:02:25: Aber was würdest du sagen?

00:02:26: also wenn wir jetzt DDR Geschichte oder Geschichte Ostdeutschlands?

00:02:29: Das ist ja können wir auch gleich nochmal darüber reden nochmal unterschiedlich.

00:02:35: Wie verändert sich diese Geschichte, wenn man das sozusagen als schwarze Geschichte schreibt?

00:02:41: Also es kommen natürlich ganz andere Perspektiven in den Fokus gerade auch im Bezug auf wie die DDR wahrgenommen wurde und von wem sie wahrgenommen wurden.

00:02:54: Natürlich eben auch dadurch dass seit der Gründung der DDR ja eigentlich Migrationsbewegungen eine Rolle gespielt haben.

00:03:01: Also sei es Studierende, die gekommen sind.

00:03:03: Das waren ja mitunter die Ersten, die eigentlich da waren bzw.

00:03:07: Vertragsarbeitende vor allen Dingen aus Osteuropa und dann eben in Zuge der Vertragssarbeiterverträge sozusagen auch vermehrt aus sozialistisch orientierten Staaten und dann auch aus Angola und Mozambik kommt das natürlich einfach dazu dass bestimmte Narrative, die in dieser DDR-Geschichtsschreibung sich festgesetzt haben ganz anders hinterfragt werden können.

00:03:37: Also eben zum einen natürlich dieses weiße Homogen das ist die eine Sache aber eben auch die Idee von internationaler Solidarität, Völkerfreundschaft alles was da dran hängt sozusagen also diese Imagination der DDR als antifaschistischer und automatisch antirassistischer Staat der natürlich zu einem gewissen Grad nicht nur in symbolpolitischer Weise war, weil die DDR hat aktiv auch in ja vor allen Dingen neugegründeten Ländern oder bis sie dann neu gegründet waren.

00:04:11: Auch eben die Befreiungsbewegungen mit unterstützt aber natürlich die Lebensrealitäten schwarzer Menschen vor allem auch in der DDR.

00:04:20: damals hat gar nicht diesen Bild entsprochen was viele sozusagen vor allen dingen über so eine weiße Geschichtsschreibung wahrnehmen können.

00:04:31: Also natürlich einfach sich da eine ganz andere Welt auftut, also zum einen innerhalb der Community was dort entstanden ist auch.

00:04:43: Also genau dieses Community-Gefühl einfach und die Erfahrungen, die gemacht wurden, einfach natürlich häufig gar nicht Teil von dieser Geschichtsschreibung sind weil sie marginalisiert worden sind bzw viele ja eben dann auch mit dem Ende der DDR dann auch Deutschland verlassen haben.

00:05:05: Und ich glaube, was ich jetzt auch in der Forschung und auch im Austausch mit vielen schwarzen ausdeutschen Menschen irgendwie wahrgenommen habe ist dass es da so einen krassen Bruch auch einfach gibt also ein Bruch zwischen der ersten Generation und den nachfolgenden Generationen einfach durch diesen Weggang.

00:05:26: Genau, da reden wir gleich nochmal drüber.

00:05:28: also wenn wir da reingehen in euer Projekt aber noch mal jetzt vorweg jetzt nochmal diesen großen Blick.

00:05:33: Also Westdeutschland gilt ja als so Migrationsgesellschaft Einwanderungsgesellschaft.

00:05:38: aus Deutschland fällt er irgendwie immer raus.

00:05:41: Das hatten wir auch schon bei unserem Projekt Ändern stören, was mir Lydia Lirke zusammen konzipiert hat.

00:05:45: Da war es ja auch schon so ein großes Thema dass es einen ganz anderen Blick auf den Osten gibt.

00:05:50: und euer Projekt wenn ihr sagt schwarzes Ostdeutschland oder schwarze Geschichte aus Deutschland durchkreuzt das Jahr und er hat das eigentlich den Anspruch zu sagen die ostdeutsche Gesellschaft ist keine weiße Gesellschaft ist das eigentlich im Grunde genommen das was ihr versucht sozusagen an neuer Perspektive dazu zu setzen.

00:06:11: Also, genau.

00:06:14: Ich würde sagen zum einen das und das aber auch als sehr selbstverständlich zumindest in dem Kontext der Workshops zu nehmen.

00:06:22: Und ich glaube einfach auch um nicht immer nur sozusagen reaktionär auf bestimmte Geschichte Narrative reagieren zu müssen sondern wirklich auch in unsere eigenen Geschichten reingehen zu können und uns eher damit auseinanderzusetzen sozusagen.

00:06:41: Also du hast total recht, es geht genau darum das herauszufordern aber dass auch direkt als Promesse zu setzen.

00:06:49: also das ist sozusagen direkt schon der Ausgangspunkt.

00:06:52: Ja

00:06:53: Genau Du bist ja schon jetzt.

00:06:54: fängst ihr nicht mit dem Projekt erst an zum Thema zu arbeiten, du arbeitest schon sehr lange dran.

00:06:58: Du machst das Projekt auch nicht alleine, du machst das mit Miriam Elom da zusammen die ja auch sehr stark an diesen Änderungspolitischen oder Ja, eine Erinnerungspolitik arbeitet.

00:07:09: zu auch schwarzer Geschichte in Ostdeutschland.

00:07:12: Ich habe mal ein bisschen geguckt im Internet.

00:07:14: Sie ist zum Beispiel bei so einem Projekt gewesen erford die Kolonialisieren und auch anderen anderen Geschichten Und noch.

00:07:20: du hast ja schon einiges in dem Reich gemacht.

00:07:23: es gibt da diese wirklich interessante also fand ich sehr beeindruckende Website zur decolonialen Änderungsgeschichte.

00:07:34: Da hast du ja dieses Projekt gemacht, Genossinnen of Color über afrikanische Studierende und VertragsarbeiterInnen in der DDR.

00:07:40: Vielleicht kannst du noch mal von diesen Vorarbeiten, das sind keine Vorarbeiten aber von deinen früheren Arbeiten erzählen dir gewisserweise auch auf dieses Projekt vielleicht hinauslaufen?

00:07:51: Ja also gerade das war sehr spannend weil es auch sehr persönlich tatsächlich war.

00:07:59: Ich damals in Südafrika studiert habe für ein Auslandssemester und hatte auch das Glück, nach Mosambik zu gehen.

00:08:09: Und hab tatsächlich dann dort die Mad Germans kennenlernen können.

00:08:15: Das ist eine ... Die Gruppe der zurückgekehrten Vertragsarbeiten.

00:08:19: Sagst

00:08:20: du, Mad Germans sind Mat Germanis?

00:08:21: Ja, ich bin auch immer so zwiespalt weil ich glaube beide Versionen sind richtig und sowieso Auch eingedeutscht.

00:08:28: Ja,

00:08:29: ich liebe das ja eigentlich.

00:08:31: Das stimmt.

00:08:31: Mit Germanis und Germans.

00:08:35: Genau da hatte ich das Glück vor allen Dingen ehemalige Vertragsarbeiterinnen kennenzulernen Und auch genau in Gespräche mit denen zu kommen und auch an den Protesten die jeden Mittwoch wöchentlich seit nun mehr als dreißig Jahren stattfinden teilzunehmen.

00:08:57: Wir können sagen, wer sind denn die Matke Manes?

00:08:59: Wir kennen ja wahrscheinlich nicht alle die Mädchen.

00:09:01: Sie verrückten Deutschen in Mosambik.

00:09:04: Ja oder verrückt gemacht auch.

00:09:08: Genau, das sind die zurückgekehrten Vertragsarbeitenden aus Mosambijk.

00:09:14: Die DDR hatte damals in den Neunzehnten und neunund siebzig das Abkommen mit Mosambique geschlossen um Vertragssarbeitende oder arbeitende Auszubildenden der DDR.

00:09:26: Es sollte eigentlich so ein zweiteiliges Training sein, zum einen eben in der Schule eine wirkliche Ausbildung zu bekommen und dann aber auch direkt praktische Erfahrungen im Betrieb sammeln.

00:09:36: Dann als CDDR zusammengebrochen ist mussten viele von denen gehen, aber generell hat auch dieses ganze Abkommen auf einem Rotationsverfahren basiert.

00:09:47: Das heißt auch wenn die vier Jahre oder fünf Jahre abgelaufen sind, sind viele zurückgegangen Und eigentlich wurde ihnen versprochen, dass wenn sie zurückgehen, dass sie einen bestimmten Anteil ihres Lohns, den Sie vorher abgeben mussten, zurückgezahlt bekommen.

00:10:02: Also es war sozusagen auch so ein Anreiz um zurückzugehen und dann aber auch sich direkt irgendwie etablieren zu können, soweit man wieder in Mosambik ist.

00:10:11: Und dieses Geld was zwischen twenty-fünf Prozent bis zu sechzig Prozent des Lohnsausmachter wurde am Ende nie bezahlt.

00:10:20: Das heißt, die Leute sind zurückgekommen mit ganz anderen Vorstellungen wie ihr Leben eigentlich weitergeht.

00:10:26: Genau und hatten dann eigentlich weder die ökonomischen Mittel noch eigentlich die Möglichkeit auch wirklich sozial wieder anzuknüpfen.

00:10:34: Sie sind betrogen worden über das Orgelhahn geworden.

00:10:37: Es geht ja auch glaube ich da drin wenn ich mich nicht täusche auch um so Rentenansprüche oder?

00:10:42: Die eigentlich ja die BRD als Rechtsnachfolgerin der DDR eigentlich übernehmen müsste für die Vertragsarbeitenden ob es aber nie getan hat.

00:10:51: Genau, also da geht's vor allen Dingen jetzt auch drum weil die Leute älter geworden sind.

00:10:57: Aber auch um ja Sozialversicherungsbeiträge generell.

00:11:01: Also Leute haben auch in die Krankenkasse eingezahlt.

00:11:04: eigentlich steht auch im Abkommen drin oder ihnen wurde auch zugesichert vor allen dingen dass wenn sie zurück kommen diesen grünen Ausweis glaube ich war das damals für die Krankenversicherung wo immer einen physischen Stempel dann auch drinnen gab, mitnehmen können und sich das dann anrechnen lassen können in Mosambik.

00:11:23: Aber dass es auch nicht passiert ist natürlich jetzt wo die Leute älter werden.

00:11:28: Das hat eine große Relevanz weil viele natürlich eben mit dem Ausbleiben des Lohns, mit dem doch jetzt keinen Zugang zur Krankenversicherung keine sichere Rente natürlich einfach in total prekäre Lebensverhältnisse eigentlich ja fast schon von der Regierung hinein gelassen wurden oder also genau.

00:11:51: Okay, das

00:11:51: ist jetzt ein vorheriges Projekt gewesen.

00:11:53: Das hat ja Eingang gefunden auf diese wahnsinnige Webseite, wo eigentlich die Weltkarte drauf ist und dann sind da tausend Linien, in denen man folgen kann und an jeder Station gibt es Geschichten, die erzählt werden und deine... Du hast auch Linien sozusagen drin.

00:12:08: Genau!

00:12:08: Diese verschiedene Orte miteinander verknüpfen?

00:12:10: Genau so einen Art Mapping.

00:12:13: Und ich glaube da war dann auch die Verknüpfung sozusagen zwischen Maputo und eben auch Angola oder Luanda, beziehungsweise dann auch wieder tatsächlich Deutschland oder Ostdeutschland vor allen Dingen.

00:12:31: Weil ich dann mit meinem Papa und Freundinnen von ihm auch nochmal Interviews geführt habe.

00:12:38: Auch um wirklich deren Lebensgeschichte noch mal nachvollziehen zu können.

00:12:43: also glaube ich fand das beeindruckend weil ich mir vorher gar nicht so oder wir gar nicht im Austausch darüber waren Wie das eigentlich dann damals auch war, sich dafür zu entscheiden in Deutschland zu bleiben?

00:12:55: Das ist ja auch eine große Dimension.

00:12:57: Wenn du sagst mit deinem Papand, also ich kenne viele Geschichten eben von wie sie sich selber oft nennen aus der Sofkalle, also Leute aus Deutschland auf Kalla wo es ja oft die Väter waren als Vertragsarbeiter, die hier waren und auch wieder zurückgehen mussten teilweise und aber Kinder dann hier hatten.

00:13:14: Oft bin da dann ne deutschen Frau und dass ja oft so ein Thema ist diese sozusagen vaterlosen oder wo es um diese Beziehung zu dem Vater geht, der dann nicht da ist.

00:13:25: Oder erst später man ihn kennenlernt oder sehr dünner Kontakt war.

00:13:31: Ja

00:13:31: ich glaube das genau weil wir jetzt auch nur bisher über die Vertragsarbeitenden geredet haben wollte ich da auch nochmal die Studierende einbringen weil das ja auch sowohl in dieser Tour darum ging aber auch dieser Debatte eine große Rolle spielt, weil eben auch viele Studierenden eigentlich dann zurückgehen mussten und ja auch Studierende wirklich aus total vielen unterschiedlichen Ländern auch in die DDR kamen.

00:13:57: Also auch unterschiedliche afrikanischen Ländern wobei gerade beim Thema Vertragsarbeit Der Bezug vor allen Dingen zu sozialistisch geprägten Ländern war.

00:14:07: Ja und das ist ja auch eine Mischform, viele sind gekommen zum Studieren oder mit dem Versprechen sie können studieren.

00:14:12: es gab bei dieser Schule der Freundschaft Und mussten aber trotzdem in die Fabrik gehen arbeiten.

00:14:19: Ich würde gerne über das jetzige Projekt sprechen weil das läuft ja eigentlich direkt da rein was du mit Miriam zusammen machst nämlich auch ne Art von Historischen Mapping.

00:14:28: Ihr habt Workshops gemacht, verschiedene.

00:14:31: vielleicht magst du da zu erzählen was kann man sich da vorstellen?

00:14:34: Was waren es für Workshop?

00:14:35: Was wollt ihr damit?

00:14:36: wer hat der Teil genommen drin?

00:14:41: Genau also angefangen hat das ja damit eigentlich dass wir letztes Jahr im Oktober genau den ersten Workshop in Erfurt organisiert haben bzw sind wir wieder zusammengekommen, nachdem wir auch vorher schon, genau Miriam hat ja bei Die Colonies Airport mitgewirkt.

00:15:02: Ich habe damals bei The Colonies Jena mitgewirkt und eigentlich hatten wir immer schon so ein Projekt im Kopf wo wir uns nochmal vor allen Dingen in Thüringen mit Orten der schwarzen Geschichte sozusagen auseinandersetzen.

00:15:18: und das heißt Wir sind wieder zusammen gekommen und wollten gucken ob auch andere Menschen Lust haben, aus der Community sich mit diesem Thema zu beschäftigen und vor allen Dingen auch nochmal in die Archive zu schauen.

00:15:31: Und sich auch noch mal mit den Geschichten ja der ersten Generation sozusagen auseinanderzusetzen und dann den Aufruf gestartet dass Leute genau an dem Workshop teilnehmen können aber gleichzeitig Erinnerungsstücke oder Gegenstände oder Bilder mitbringen können, die sie entweder in ihr aufwachsen oder auch leben.

00:15:57: In Ostdeutschland erinnert.

00:16:00: An wen richtete sich der Aufruf?

00:16:05: Warum lasst du?

00:16:08: Nein, voll die gute Frage!

00:16:09: Weil ich auch gerade überlegt habe wie ich das gut formuliere weil ich glaube es ist auch was wo wir in den Workshops viel darüber diskutieren wie das überhaupt definiert werden kann und was das überhaupt bedeutet, wo Grenzen gezogen werden oder eben nicht.

00:16:29: Und ich glaube einfach auch weil sich bei den Workshops zum Beispiel Leute angemeldet haben die mittlerweile seit fünf zehn Jahren in Ostdeutschland leben und sich jetzt Teil der schwarzen Community verstehen die Community vor Ort oder die Communities vor Ort sozusagen lernen möchten und erfahren möchten, weil natürlich auch vieles was wir heute tun an Aktivitäten oder was wir organisieren auch darauf aufbaut.

00:17:04: Gleichzeitig gab es auch Leute, die in Westdeutschland groß geworden sind aber deren Elternteile sind in die DDR gekommen in nachwestdeutschland gezogen und nun sind die Kinder sozusagen oder die nächsten Generationen auf Spurensuche, was das eigentlich damals bedeuten haben könnte für die Eltern an die DDR zu migrieren.

00:17:31: Und da auch eben ein Stück weit sozialisiert wurden zu sein.

00:17:36: Und dann gibt es auch Leute genau der DDR tatsächlich geboren sind und dass selber erfahren haben.

00:17:45: also wir hatten Wirklich auch einfach unterschiedliche Generationen da.

00:17:51: Das muss man auch sagen, also auch zweite Generation ist ja nicht heißtlich dann Automatschnacht der DDR sondern es gab wir auch genug Leute die noch in der DDR geworden sind und dann neunzehn waren beim Bauarfall zum Beispiel und die hatten wirklich auch eine DDR-Sozialisierung als... Kinder und Jugendliche mitgemacht haben.

00:18:08: Es gibt ja auch unterschiedliche erste Generationen, also wenn ich jetzt überlege zum Beispiel jetzt Geflüchtete erst aus afrikanischen Ländern die ja teilweise auch ohne ihren also gegen ihren Willen da in irgendwelchen Lagern am Osten sitzen müssen.

00:18:24: Auch sie sind ja sozusagen Person in Oster schwarze Menschen in Ostdeutschland.

00:18:28: Erste Genanz, so wie man so will, sind gerade gekommen Geflüchtete, aber wahrscheinlich... Also gab es da auch ein bisschen so diese Anknüpfung an jetzt sozusagen diesen neuen Menschen die sich ja auch organisieren.

00:18:43: Die Refugee-Kämpfe der letzten Jahre waren ja gewaltig groß und haben vieles bewegt.

00:18:49: Aber das ist doch nochmal eine andere Geschichte als was du jetzt auch gesagt hast DDR-Geschichte Kinder von Vertragsarbeiten oder Studierenden aus afrikanischen Ländern.

00:19:00: Also das war ja schon so der der Fokus gewesen, oder?

00:19:04: Gibt es da eine Verbindung?

00:19:06: weil sonst ist er sehr offene Aufruf eigentlich.

00:19:08: also ich habe irgendwie gelesen ihr habt dieses people or persons of African descent also irgendwie so ein Bezug zu Afrika.

00:19:17: Ja wie wie ist das

00:19:19: Genau?

00:19:19: also ich glaube wir hatten halt sozusagen auch in dem Aufruf beides, also einmal eben diesen Bezug ja zu dem afrikanischen Kontinent bzw.

00:19:31: Afrodiasporisch sein bzw sich als schwarze Person identifizierend aber eben auch in irgendeiner Form mit Ostdeutschland identifzieren oder eben der DDR.

00:19:43: und ich glaube das hat vielleicht auch dazu geführt dass eben bestimmte Menschen die was Interesse daran hatten, sich mit der DDR und Ostdeutschland spezifisch auseinanderzusetzen.

00:19:54: Dann eben auch auf diesen Aufruf eingegangen sind und sich angemeldet haben.

00:20:00: Also ich glaube das soll gar nicht so ein intendierter Filter sozusagen, dass genau nicht irgendwie Leute nicht auch teilnehmen können wenn sie jetzt erst sozusagen seit zwei drei Monaten zum Beispiel in Ostdeutstand leben.

00:20:17: Aber ich kann mir vorstellen, dass genau diese spezifische Bezug vielleicht dann nicht so noch nicht wahrgenommen wird.

00:20:24: Und mit dem Wirkschuss mich interessiert das... Bin ja auch Historiker und wie schreibt man eigentlich Geschichte?

00:20:30: Dass wir nicht interessant waren.

00:20:31: Ihr habt ja glaube ich zwei Sachen gemacht.

00:20:32: also ihr habt ja nicht bei Null angefangen, ihr seid ja auch in Archive gegangen die es schon gibt, ihr habt euch Sachen angucken die es dazu sagen, was das alles war und beinhaltet.

00:20:44: Und andererseits habt ihr aber auch biografische Arbeit geleistet.

00:20:47: Die Leute hast du eben auch schon gesagt die haben irgendwas mitgebracht eine Erinnerung oder so.

00:20:51: Das würde mich noch mal interessieren dass es war ja sozusagen so etwas doppeltes.

00:20:54: also einerseits man sammelt Geschichten die sich vielleicht irgendwie verbinden zu der Geschichte frag ich dich.

00:21:03: Andererseits gibt es hier aber auch schon sowas wie Archive Bewegungen Gruppen.

00:21:09: Was habt ihr da konkret gemacht?

00:21:10: Das ist ja auch ein Spannungsverhältnis.

00:21:11: Eineseits Biografiearbeit mit den Leuten selber, die da kommen... Wer wäre es eigentlich gekommen?

00:21:17: Also eine eher jüngere Leute oder ältere Leute hast du eben bisschen schon mal ausgesagt, würde mich trotzdem interessieren und zwar aus ganz Deutschland weil jetzt nicht nur auf Thüringen und ihr habt euch aber auch Sachen angeguckt und das würden wir uns sehen.

00:21:28: was habt ihr euch angeschaut, was haben die Leute mitgebracht?

00:21:30: Eine große Frage um wie hat sich das verbunden miteinander dann also oder hat es sich das Verbunden?

00:21:39: Genau, vielleicht hilft es dann da nochmal komplett auf das ganze Konzept und den Rahmen sozusagen von dem Projekt zu schauen.

00:21:46: Weil genau der erste Workshop war in Erfurt und war sozusagen so ein Prototyp wo wir uns auch zu viel vorgenommen haben und gar nicht alles geschafft haben Klassiker.

00:21:58: Immer die Ziele hochstecken!

00:22:02: Und dann hat eigentlich ja... die Workshop-Reihe erst so richtig gestartet, als wir den ersten Workshop in Leipzig gemacht haben.

00:22:10: Also unsere Idee war dann eben auch – weil wir gemerkt haben beim ersten workshop in Erfurt wo wir den Turing-Fokus hatten – haben sich Leute aus ganz unterschiedlichen Städten in Ostdeutschland sozusagen angemeldet das wir dann dachten okay vielleicht ist dieser Turing Focus auch reduziert und es braucht es jetzt am Anfang oder vielleicht gar nicht, weil alles auch vielleicht in Verbindung steht Kann ich gleich nochmal drüber reden.

00:22:37: Aber genau, da war dann unsere Überlegung dass wir unterschiedliche Städte gemeinsam besuchen mit eben einen Auftakt in Leipzig wo wir das Quirköntnis Herderinstitut zu besuchen und dort kam tatsächlich ganz viel verschiedenes Material auch schon mal zusammen.

00:23:00: Was ist das?

00:23:02: Das Herren-Institut war damals das Zentrum für Ausländische Studierende, die in die DDR gekommen sind.

00:23:12: Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt haben auch eigentlich alle ausländischen Studierenden dort ihre Sprachschule absolviert bevor sie dann auf unterschiedliche Universitäten innerhalb der DDR aufgeteilt wurden.

00:23:24: Später hat sich das verteilt umso mehr Studierender gekommen sind.

00:23:28: aber trotzdem war Leipzig ein großes Zentrum für Studierende, also vor allen Dingen auch die Karl-Marx-Universität damals.

00:23:37: Und ich glaube viele Leute haben tatsächlich dort also tropische Agrarwissenschaften studiert und dort nehme ich ein spezielles Zentrum um sie auszubilden und dann eben ja auch mit der Idee wieder zurückzugehen.

00:23:50: Da haben wir uns tatsächlich weil ich auch Recherche im Babelsberg Archiv gemacht habe Also dem Film-Universität, die damals auch die einzige Filmuniversität in der DDR war.

00:24:06: Wo es auch ausländische Studierende gab.

00:24:10: Habe ich einen Film auswendig gemacht, Der Student aus Sakra heißt er.

00:24:15: Der wurde damals in Leipzig an der Universität gedreht und zeigt ein Studenten aus Sakrah und sein Leben.

00:24:27: Ja, natürlich eine interessante Perspektive würde ich auch sagen.

00:24:32: Weil sich gar nicht so richtig rausfiltern lässt genau was der Regisseur dabei intendiert hat.

00:24:40: also weil die eingesprochene Stimme ist auf jeden Fall auch eine deutsche Stimme, also eine Stimme die wahrscheinlich als erstes länger Zeit sprach ich Deutsch sozusagen war und Es ist auch nicht ganz klar, weil es in den Archiven generell sehr wenig Informationen über die Regisseur anderen gibt.

00:25:03: In welchem Kontext der Film entstanden ist?

00:25:05: Aber auf jeden Fall geht das darum dass die Universität Leipzig die beste Universität der Welt war und er die beste Zeit hatte!

00:25:13: Und das Spannende ist natürlich auch da wieder wie auch heute diese Filme in den Archiven wiedergegeben werden oder wie sie abgebildet werden, dass da dann in der Beschreibung stand A. Der Student aus Accra, aus Nigeria und dann geht es in dem Film auch um Patrice Lumumba, der dann der Präsident Nigerias war.

00:25:36: also deswegen ist so ein bisschen natürlich trotzdem fraglich aus welcher Perspektive dieser Film eigentlich gemacht wurde.

00:25:43: aber wir haben ihn dort zusammenschauen können.

00:25:45: ich glaube das war Ein krass berühmt wegen der Moment.

00:25:49: Also ein richtiges Fundstück, was wir da... Jetzt würde ich mich mal interessieren also ich hab eigentlich... Ich frag gleich nochmal etwas zu dem Archiv weil es interessiert mich, weil ihr guckt durch die Archive an und ich finde den Begriff des Archivs total interessant.

00:26:00: Und ihr habt ja auch den Anspruch selber glaube ich einen Archiv jetzt zu bauen.

00:26:04: Vorher doch noch meine andere Frage, die mir ist auch wenn du das so erzählst über diesen Film.

00:26:08: Ich war mal bei einer Veranstaltung im B-Bug Kino, da gab es eine Reihe Kino der Freundschaft.

00:26:16: Wo in einem Abend die ganzen DVR und DDR-Fernseh Schnipsel zusammengeschnitten wurden von dem Filmemacher zur Berichterstattung über ausländische Menschen in der DDR, Vertragsarbeitende Studierenden usw.

00:26:32: Und ich fand's wirklich super interessant.

00:26:35: also weil die alle so total wohl wollen Also sozialistische Bruderlichkeit mäßig.

00:26:43: Wenn man das so kennt aus Westdeutsch stand, also Fernsehfilm berichtet... Medien, da wurde immer gesagt naja die Gastarbeiter machen hier die Drecksarbeit, die sie Deutsch nicht mehr machen wollen.

00:26:53: So

00:26:54: das war ja so.

00:26:54: der Sound im Westen und dort, der er war immer so... Da ist der Herr Sohn aus Vietnam oder aus Mosambik.

00:27:02: Der will hier studieren danach sein Land aufbauen.

00:27:04: dann sind wir auch mit einem Anzug ganz anderer Talk und natürlich irgendwie Propaganda.

00:27:08: es würde ich mich jetzt von dir interessieren klar Propagandas.

00:27:11: aber was heißt das eigentlich wenn jahrzehntelang So was gezeigt wird im Kino, im TV, im DDR-Fernsehen eigentlich so ein Bild auf Augenhöhe ist?

00:27:21: natürlich nicht Augenhöhen.

00:27:22: Die Leute sind total ausgebeutet worden rassistisch entrechtet oder ausgegrenzt und trotzdem gibt es eine ganz andere Narrative als in Westen.

00:27:32: Also wie gehst du oder seid ihr damit umgegangen mit diesen Archiven?

00:27:38: Mit den Dingen die ihr da gefunden habt?

00:27:43: Ja, ich glaube das muss man ja auch dann nochmal... Also es gibt sowohl dieses Material wo eben so internationale Solidarität oder Völker in Freundschaft auch dann Völker Freundschaft eine Rolle spielt.

00:27:57: Aber es gibt natürlich auch Archivmaterial was total gewaltvoll ist und ich glaube gerade dann vielleicht nicht dass was offiziell im Fernsehen gezeigt wurde sondern wenn man dann ins Bundesarchiv geht und diese ganzen Rückführungsanträge sich durchsieht mit was Leute auch zum Teil alleine gelassen wurden, also ich meine gerade aus Mosambik und Angola.

00:28:18: Ich mein das war jetzt meinen Forschungsfokus und in dem Bezug habe ich mir eben auch Anträge angeschaut.

00:28:24: Ging es auch manchmal darum dass Leute den Verlust ihrer Familiemitglieder in den jeweiligen Ländern nicht verkraften konnten und eigentlich psychologische Unterstützung gebraucht worden und dann alles was passiert ist die Rückführung und das Alleine lassen.

00:28:38: Also ich glaube das ist so eine Ambivalenz mit der man dann irgendwie oder eine Gleichzeitigkeit auch einfach, die es gleichermaßen gab.

00:28:47: Und ich glaube genau das macht dann aber gerade eben bei diesen Filmen den ich gefunden habe eben einfach nur schwer die Perspektive der Person, die das gemacht hat ausfindig zu machen weil vielleicht auch der Rahmen in dem der Film entstanden ist ein sehr begrenzter war.

00:29:02: also was konnte eigentlich besprochen oder angesprochen werden?

00:29:08: und genau ich glaube dadurch Ja, das einfach glaube ich spannend war auch in Leipzig verschiedene Materialien gleichzeitig sich anschauen zu können.

00:29:19: Also wir haben nicht nur den Film geschaut sondern wir hatten eben auch noch anderes Archivmaterial da vor allen Dingen im Bezug auf Studierende.

00:29:27: und da gab es zum Beispiel gerade in Leibzig auch in den sechziger Jahren eine Gruppe von afrikanischen Studierenden und Arbeitenden oder Facharbeitenden Die UASA, die Union der afrikanischen Studierenden und Facharbeitenden in der DDR.

00:29:49: Die tatsächlich auch, ich glaube, in etwa ein Beschwerdeprieb an verschiedene Institutionen der DDR geschrieben hatten und in dem Beschwerdebrief Rastismus angeprangert haben war auch auf eine sehr bestimmte Art und Weise also Es ging schon auch trotzdem viel darum, sich vielleicht ein Stück weit anpassen zu müssen.

00:30:16: Aber eben auch dass die DDR überhaupt die Möglichkeit breitstellen muss das sowas auch möglich wäre also wirklich eine Einforderung von Integration in die Gesellschaft einfach weil sie innerhalb der Stadt Leipzig Ressismus erfahren haben aber auch an der Hochschule Und aber auch tatsächlich zum Beispiel den Kolonialrassismus, der in den DEFA-Filmen reproduziert wurde.

00:30:42: Aktiv angeprangert haben.

00:30:43: also das heißt es gab zwar diese internationale Völkerfreundschaft Aber trotz einem gab es anscheinend viel filmisches Material was eben dann doch eher koloniale Stilrytypen reproduzierte hat und ihrer Meinung nach eben auch dafür gesorgt hat dass in das Bewusstsein der DDR-Bevölkerung aufgenommen wird und dazu führt, dass er sich eben nicht kritisch mit Rassismus... ...und Kolonialismus auseinandergesetzt

00:31:12: hat.

00:31:12: Und fünfundsechzig ist ja wirklich total früh!

00:31:15: Also da gab es ja um Westdeutschland noch gar kein Begriff von Rassismus.

00:31:19: Das kam ja erst irgendwie viel später.

00:31:22: Ich würde gerne nochmal zu eurer Arbeit gehen.

00:31:25: Ihr habt euch Archive angeguckt und habt selber den Anspruch eigentlich einen anderes Archiv aufzumachen, ein neues Archiv.

00:31:31: Wir haben einen Mapping gemacht, so eine Art von topografisch-topologischen Orte gleichzeitig aber auch Geschichten in diesen Orten und einen historischen Blick.

00:31:41: Vielleicht kannst du noch mal dazu sagen diese Verbindung von historischer Untersuchung und zu einer räumlichen Verordnung.

00:31:48: also was ist sozusagen das wie hier vorgeht?

00:31:50: Und was kommt dabei raus an den Archiv?

00:31:52: Was ist das andere Archiv jetzt, was jetzt da entstehen?

00:31:56: Wir haben verschiedene Städte besucht gemeinsam, also eben einmal in Leipzig waren wir.

00:32:01: Wir waren im Berlin und dann in Dresden und haben dort auch immer versucht uns mit der Lokalgeschichte auseinanderzusetzen ein Stück weit.

00:32:13: Also vielleicht auch da nochmal gesagt, wir haben ein ganzes Workshopwochenende gehabt.

00:32:17: das hat uns natürlich auch viel Zeit gegeben um verschiedene Perspektiven mit aufzunehmen und auch verschiedenes Archivmaterial.

00:32:27: Und wir haben es gleichzeitig auch versucht, sozusagen die verschiedenen ersten Generationsgeschichten sozusagen mit aufzunehmen oder die verschiedenen Wege in die DDR.

00:32:39: also das heißt wir hatten einen Workshop der sich eben mehr mit Vertragsarbeit auseinandergesetzt hat.

00:32:44: da gab's dann viel Archiv Material vor allen Dingen aus dem Bundesarchiv zum Beispiel Aber eben auch aus meiner Forschung, aus meiner Masterarbeitsforschung wo ich mit ehemaligen Vertragsarbeitenden All History Interviews geführt habe und Teile davon eben auch zugänglich machen durfte aber auch Bildmaterial vor allen Dingen.

00:33:08: Dann aber auch eben zu Studierenden.

00:33:11: also wie gesagt mein Papa kam ja selbst als Student aus Angola damals in die DDR kurz vor der Wende auch über seine Kontakte verschiedenes Foto-Material ausfindig machen konnte.

00:33:24: Also, ich würde sagen es war eine Mischung aus staatlichen öffentlichen Archiven oder Archivmaterial, was wir uns angeschaut haben wo es auch viel darum ging ein Gefühl dafür zu bekommen glaube ich.

00:33:38: also weil ich auch vorher gar nicht so ne Vorstellung hatte welche Fragen ich überhaupt stellen soll an meinem Papa weil ich gar nicht wusste, wie die DDR eigentlich damals konzipiert war oder welche Erfahrungsraum ihnen sozusagen gegeben wurde.

00:33:56: Oder sie sich auch angeeignet haben.

00:33:59: und so ein Eintauchen in Archivmaterial hilft natürlich um das kontextualisieren zu können.

00:34:08: Und gerade mit diesen Gleichzeitigkeiten ist das natürlich einfach interessant.

00:34:15: Weil man ja trotzdem nicht nachvollziehen kann, was die einzelnen Personen vielleicht in dem Moment gedacht hat oder...

00:34:23: Ich finde das, was du jetzt sagst, ich bewege das sehr weil ich erinnere mich selber an die eigene Geschichte in Westdeutsch an dir wo es ja auch eine Aufarbeitung gab jetzt der zweiten Generation quasi mit der Geschichte der Eltern die ja vielleicht zwanzig Jahre früher stattgefunden hat, ist im Osten einfach weil die Migration oder die Anwerbung in Westwirtschland auch zwanziger Jahre früher anfing als die große Anwerbungen im Oston.

00:34:47: Die eher so siebzehre achtziger war und Westen ja schon früher los ging.

00:34:50: Deswegen war die zweite Generation auch schon früher erwachsen.

00:34:52: Du hast gesagt, wir wussten gar nicht was wir eigentlich unsere Eltern fragen sollten.

00:34:58: Also weil es gar keinen Wissen gab.

00:35:00: Man hatte so ein völlig falsches Bild von der eigenen Elterngeneration und wusste gar nicht genau.

00:35:05: Und damals haben wir auch in die Archive gegangen und haben Geschichten ausgepuddelt.

00:35:08: Wir haben dann angefangen auch die Geschichte der Eltern-Generation zu erzählen.

00:35:14: Wenn du das so erzählst, dass man da doch noch die Begriffe erst hat oder die Fragen überhaupt erst findet.

00:35:19: Da drin plötzlich eine Geschichte entsteht... Ich finde gerade, es gibt totale Unterschiede über die Redlich-Gleich zwischen West und Ostdeutsch.

00:35:29: Aber das finde ich erst mal sowas was mir so ganz vertraut vorkommt.

00:35:34: Man findet eigentlich erst so die... Was soll man eigentlich die Eltern eigentlich fragen?

00:35:38: Man hat ja ein falsches Bild selber auch gehabt.

00:35:41: Und dann verändert sich das.

00:35:42: Vielleicht kannst du dazu nochmal sagen ging es den anderen auch in den Workshops?

00:35:45: oder also was waren da vielleicht auch so Ha Ha Momente bei euch gewesen?

00:35:50: Genau, also ich glaube einmal die unterschiedlichen Bezugspunkte, die wir zu der DDR auch haben oder hatten und zu Ostdeutschland dadurch dass die Workshops wirklich international aufgebaut waren oder die teilnehmenden unterschiedlichen Generationen zugehörig waren.

00:36:14: Manche eben in der DDR sozialisiert wurden andere eben dann erst in Ostdeutschland nach dem Mauerfall.

00:36:21: Und da trotzdem aber bestimmte Kontinuitäten gab, ich glaube ganz konkret auch in den Erfahrungen innerhalb der Schule und des Aufwachsens gerade auch diese Isolations- oder Isolierungsmomente natürlich die wir oder viele in Ost Deutschland wahrgenommen haben obwohl ich auch sagen würde das Das natürlich sich nochmal unterscheidet, ob man in der ländlichen Region oder an der städtischen Region.

00:36:48: Meistgesellschaft für die Isolation ist war ja auch staatlich ne Strukturier so also dadurch das irgendwie Vertragsarbeitene in diesem Wohnheim wohnen mussten dass eine bestimmte Art von Kontakt stärker staatlicher verboten war oder reguliert wurde repressiv behandelt wurde?

00:37:08: Ja, auch allein die Zuweisung in bestimmte Städte.

00:37:12: Es war ja alles staatlich kontrolliert.

00:37:13: Niemand, also auch von den Studierenden oder Vortragsarbeitenden durfte sich wirklich aussuchen was studiert wird und wo sondern es wurde zugewiesen.

00:37:23: Also schon genau alleine da durch irgendwie und dann ja auch nochmal wenn das um den Wohnraum ging da ja auch so krasse Isolierungsmomente schon erzeugt wurden Obwohl ich auch gleichzeitig eben gemerkt habe in meiner Forschung, wie sehr glaube ich schon auch vertragsarbeitende neue Verbindungen zwischen Städten hergestellt haben.

00:37:46: Weil sie sich untereinander besucht haben oder auch Studierenden also generell Menschen die in die DDR gekommen sind das trotzdem geschafft haben trotz all dieser Isolationen in Kontakt miteinander zu sein sich gegenseitig zu Besuchen mit einer Feste zu feiern Dinge zu organisieren, sich zu organisierend innerhalb von den Organisationen die möglich waren.

00:38:11: Weil an sich war oder auch sowas häufig unterbunden, sich vor allem politisch zu organisiert wie jetzt im Fall der Studierenden in der Uni Leipzig.

00:38:22: Also ich glaube da wird wieder die Gleichzeitigkeit also es ist gerade auch in der DDR habe eine große Ambivalenz einfach wahrgenommen oder so eine ganz große Varianz von wie bestimmte politische Maßnahmen sowieso auch umgesetzt wurden.

00:38:37: Oder umgangen worden, ne?

00:38:38: Ich meine das ist ja glaube ich genau das aufregende auch dass man eben dieses Bild hat und es war total auseinander also getrennt sehr kriegiert wie man es mal nennen will Es gab keinen Kontaktverbot aber wenn man dann reingeht in die Geschichten zeigt sie halt es gab x-fache Kontakte und Beziehungsweisen.

00:38:57: Es gibt ja zum Beispiel auch diese große Aufarbeitung, finde ich jetzt von dieser zweiten Generation im Vietnamesischen Vertragsarbeitenden.

00:39:03: Die ja auch nochmal so erzählt haben wie stark sie da eben auch Wege gefunden haben um eigentlich genau diese staatlich verordnete Lebensweisen zu unterlaufen und das fand ich immer total beeindruckend.

00:39:19: Und ich glaube eine andere Sache war, glaube ich Brucherfahrung, die ich vorhin schon nur mal leicht angesprochen hatte.

00:39:30: Mit

00:39:30: dem Mauerfall meinst du?

00:39:31: Genau mit dem Mahrfall.

00:39:32: Da komme ich gleich drauf zu sprechen.

00:39:34: Einen Punkt noch davor... Ich habe ja gesagt in dieser Ähnlichkeit an die mich das erinnert hat mit einer westdeutschen Migrantischen Aufarbeit und ich finde aber es gibt da diesen ganz großen Unterschied zur der ostdeutschenden Aufarbeit oder auch bei einem inner Ostdeutscher aus einer amerikanisch nicht weißen Perspektive der total spannend ist.

00:39:53: Weil es ja nicht nur sozusagen die Gesellschaft, die DDR oder Ostdeutschland-Gesellschaft ist nicht weiß sondern das hast du eben auch glaube ich kurz gesagt man hat sich hier nicht nur so sagen aus einer migrantischen oder nicht weißen Perspektive in diese Gesellschaft hat die Gesellschaft geprägt sondern hat darin eben aber auch eine ostdeutsche Identität.

00:40:15: Also es ist eben nicht nur dieses deutsch-nicht-deutsche Verhältnis oder weiß, nicht weiß.

00:40:19: Sondern auch dieses Verhältnes Ostdeutsch Westdeutsches und Nichtsostdeutschen was ja auch ein Spannungsverhältnis ist.

00:40:27: also

00:40:28: die doppelte Mauer.

00:40:29: Die

00:40:29: doppelten Mauer also ich meine im Westen gab's natürlich die ganze Migrantischen Vereine Und auch ISD hat sich nachtzig gegründet.

00:40:37: Genau dann gibt's aber diese ostdeutscher Perspektive, migrantische ostdeutliche Perspektiven die eben doppelt ist, ne?

00:40:44: Also vielleicht kannst du dazu nochmal was sagen.

00:40:46: Weil das finde ich wirklich normal... weil das ja auch ein Spannungsverhältnis zwischen den ganzen Migranten oder vielleicht auch nicht weißen Communities im Westen jetzt so sozusagen auch so einem historischen Verständnis eben nicht nur sozusagen nicht weiß zu sein sondern eben auch Ostdeutsch spezifisch zu sein.

00:41:06: Ja, ich glaube dass es auch die Motivation gewesen ist sich noch mal spezifisch auch mit schwarzen Menschen, die in Ostdeutschland gelebt haben, sozialisiert wurden, auseinanderzusetzen bzw.

00:41:21: in der DDR einfach weil es unsere Erfahrungen geprägt hat und weil diese Erfahrungen häufig nicht Teil von den Narrativen sind.

00:41:32: also was Paulino Miguel die doppelte Mauer genannt hat oder was du gerade beschrieben hast dass das eben Nicht nur die Mauer zwischen Westdeutschland und der DDR damals oder jetzt Ostdeutschen gab, sondern eben auch die Mauern zwischen migrantisierten Personen oder schwarzen Personen.

00:41:55: dem Fall jetzt von unserem Workshop Kontext.

00:41:57: Aber

00:41:57: es ist ja nicht nur eine doppelte Mauer, sondern auch eine doppelse Brücke zu sagen.

00:42:01: Also das Verhältnis Deutsch und Nicht-Deutsch, aber es ist eben nochmal ein Verhältnissen aus Deutsch-Westdeutsch.

00:42:06: Und da drin sind natürlich solche Positionen wie die sogenannten Aussies auf Kala, wie sie sich teilweise selber nennen.

00:42:12: Da drinnen ja eben auch eine Brückenfunktion zu sagen Es gibt eben auch Eine Identität, die eine Ost-Deutsche Identität ist.

00:42:19: Also so das finde ich schon nochmal...

00:42:22: Auch innerhalb der Community?

00:42:24: Genau!

00:42:24: Innerhalb des ganzen Ostdeutsch-, Westdeutschen Verhältnisses was sie in der ganzen Community ja noch mal wiederholt und was aber da eben quer zu liegt.

00:42:30: Das ist eigentlich auch ne Brücke eigentlich oder wie wir es so sehen?

00:42:35: Ne Brücke...

00:42:37: ...ne Brücke der auseinandersetzt und die im Quer läuft zu diesem klassischen Mauern Deutsch nicht deutsch weiß nicht weiß Ostwest weil das irgendwie quer dazu liegt diese Ostmigrantische oder aus ihr auf Kalla-Position, da quer dazuliegt zwischen diesen Ost-West und Deutsch nicht deutsch Verhältnis.

00:42:57: Ja doch ja ich glaube jetzt verstehe ich was noch mal.

00:43:03: Also das ist sozusagen nochmal diese zwei Komplexe oder diese zwei Strenge die sonst parallel zueinander laufen sozusagen verbindet.

00:43:15: Da läuft es noch mal, wie so eine dritte Position in diesen ganzen Gegenüberstellungen?

00:43:20: Wie so eine Dritte Figur quasi eigentlich

00:43:23: oder inzwischen also nur das was ja auch glaube ich aber das wird häufig in dem Kontext benutzt wenn es darum geht Westdeutsch aus Deutsch obwohl da gibt's jetzt nicht so viele Zwischenräume vielleicht außer dass Leute dann eben auch in den besten Migrierts sind oder so, aber eigentlich eine DDR-Sozialisierung hatten.

00:43:43: Also ich glaube da fängt es ja auch schon an dass Leute unterschiedliche Sozialisierungserfahrungen und Bezugsräume haben die das ganze komplexe erscheinen lässt als diese Binaritäten.

00:43:54: Genau,

00:43:55: das erzählen wir auf viel Europäinern stören, dass sie sozusagen als Migrantinnen im Osten gelebt haben und nach dem Mauerfall rübergegangen sind zu den dortigen Communities Und die haben sich gar nicht verstanden, weil sie eben dort als Aussies galten und da drin auch nochmal abgewertet wurden.

00:44:10: Obwohl Sie eigentlich eine Migrantenposition haben oder ich weiß also das ist ja irgendwie total spannend.

00:44:15: aber genau jetzt wäre er schon beim Mauerfall.

00:44:17: Da hast du ja schon mehrfach darauf angeschaut dass es natürlich ein großer Zäsur war dann auch die Kämpfe sicher ändern und natürlich den ganzen Bezugsrahmen zur DDR.

00:44:28: Wie habt ihr das in eurer Arbeit aufgenommen?

00:44:30: Also wie weit ist dieser Bruch irgendwie wichtig für euer Mapping euer Archiv, euer Projekt.

00:44:38: Ich würde sagen dass der Mauerfall glaube ich die also vor allen Dingen auch die Geschichten und auch die Archive von worauf wir überhaupt zurückgreifen können massiv geprägt hat.

00:44:56: einfach weil dieser Bruch zum einen in vielen Familien vor allen dingen innerhalb der schwarzen Community stattgefunden hat das viele

00:45:05: V.a.,

00:45:06: du hast es vorhin auch schon mal gesagt, gehen mussten und das natürlich dazu geführt hat dass auch innerhalb der Familie bestimmte Identitätsfiguren vielleicht auch damit gefehlt haben also Personen die ja dann vielleicht schon für ein paar Jahre in der DDR gewohnt haben mit bestimmten Erfahrungen auseinandergesetzt haben und es hätten weitergeben können.

00:45:37: Das hat gefehlt, aber damit auch im größeren Kontext empfehlen von Archiven auf die wir zurückgreifen können, die eben dann nicht den Bezugsrahmen DDR haben.

00:45:51: Und dann ist erst mal irgendwie so ein Schleier eigentlich wie oder einen Zeitraum wo anscheinend nichts im Osten passiert ist.

00:46:04: Zumindest, gerade wenn man so viele verschiedene Geschichtsbücher schaut gibt es eigentlich und auch Standardwerke von den Communities selbst sozusagen vor allem der schwarzen Community oder Schwarzer Bewegungsgeschichte.

00:46:20: Gibt's in dem Rahmen nach dem Mauerfall irgendwie erst mal nicht so viel zu schwarzer ostdeutscher Geschichte?

00:46:27: Wie du gesagt hast, weil viele gehen mussten Nur nachts die Mauer fällt neunzig Wiedervereinigungen und BRD übernimmt den Laden, um versucht die Vertragsarbeitenden loszuwerden.

00:46:37: Dann betrügt sie um ihre Gelde... ...und viele gehen tatsächlich auch und müssen gehen quasi.

00:46:44: Das ändert ja auch nochmal das Pokon von Hoyers Werder, eine Neunzig.

00:46:48: Das ist genau dieser Fall, dass die Vertragsarbeiten in dort viel aus Mosambik.

00:46:54: dann dort angegriffen werden.

00:46:55: das erste eigentlich pogrom nach dem zweiten wehrkrieg in deutsch an heuerswerde eine neunzig wo die über tagelang angegriffene werden und eben weil sie eben sozusagen verschwinden sollen jetzt diese diese menschen viele bleiben ja aber trotzdem und haben dann unsicheren aufnahrtsstatus dass es jahrelang umgeklärt haben sie eigentlich ein recht zu bleiben oder nicht?

00:47:15: es gibt so kämpfe darum.

00:47:16: aber ich finde schon auch interessant dass irgendwie genau diese Menschen dann ja auch ganz wichtige Akteure waren für so eine neue Form sozusagen der politischen Auseinandersetzung, weil die da angegriffen worden sind in Heuerswerda.

00:47:32: In dem Vertragsarbeiter und dann später an diesem Flüchtlings.

00:47:36: Die sind ja evakuiert worden und viele von denen sind nach Berlin gegangen und haben dort angefangen eigentlich... antirassistisch zu arbeiten, sich zu organisieren.

00:47:44: Das ist eigentlich die Geburt des Antirassismus von den schwarzen vertriebenen Menschen aus Ostdeutschland, die dann anfangen das zu... Und da gibt es ja so neunzig Jahre diese großen antirossisten Abwehrkämpfe und ich finde auch immer, dass irgendwie fehlt diese Geschichte oder in dieser Erinnerung an schwarze Geschichte im Osten?

00:48:04: Total!

00:48:04: Und gleichzeitig gab es sie aber.

00:48:07: Ich glaube, die Frage ist nur, in welcher Form wir darauf zurückgreifen können.

00:48:11: also weil Gerade auch in dem Workshop in Leipzig hatten wir einen Input von Tanja Kolbe, die damals mit vierzehn Jahren in der IG Farbig organisiert war.

00:48:27: Die sich in den neunziger Jahren in Leibzig gegründet hatte um auch einen Community-Raum, aber auch ein Schutzraum tatsächlich im Rahmen der Baseballschlägerjahre.

00:48:39: Die damals ja dann im Osten den Kontext für schwarze Menschen geprägt haben oder ihre Erfahrung geprägte und ihr Leben geprägen haben.

00:48:51: Und aus dieser IG Farbig heraus wurde eben auch versucht in Leipzig und im Umland Strukturen aufzubauen, die das ermöglichen vielleicht auch genau diese Isolationserfahrungen, die viele schwarze Menschen im Osten gemacht haben damals zu überwinden.

00:49:14: Und gleichzeitig war es aber unter den Umständen auch einfach sehr schwer, das Aufrecht zu erhalten.

00:49:25: Damals fing dann ja auch generell an dass mit dem Mauerfall auch schwarze Organisationen aus den Westen in der DDR oder in Ostdeutschland dann eben aktiv wurden.

00:49:38: Viele sind dann auch zur ISD übergetreten, oder zu ADFRA, der Schwesterorganisation.

00:49:43: Ihr könnt's

00:49:44: gut für die, die es nicht kennen noch

00:49:46: mal... Die ISD, die Initiative Schatze Menschen Deutschland, die sich, ich glaube, neunzigsechs und achtzig genau in Ost-, in Deutschland... der BRD in Westdeutschland gegründet hat.

00:50:00: Da haben

00:50:01: wir so eine Initiative Schwarze Deutsche, haben sie dann später unbeinahnt?

00:50:04: Genau.

00:50:06: Und die dann sozusagen auch in Ostdeutschen aktiv wurden.

00:50:13: Per Gipiche oder wer ist das

00:50:15: denn?

00:50:15: Genau, Per Gepiche aber auch andere Personen, wo dann auch... Einen Bundestreffen der ISD dann auch in Ostdeutschland stattgefunden hat, in der Nähe von Leipzig?

00:50:28: Genau.

00:50:28: Aber es würde mir jetzt auch nicht interessieren.

00:50:29: Ich weiß das tatsächlich, ich habe gar keine ISD.

00:50:33: Wer ist Deutschland gegründet?

00:50:34: geht dann in Osten wie alles ja auch dann in den Osten geht nach dem Mauerfall.

00:50:38: Im Osten gründete sie aber IG Farbeck.

00:50:42: Es ist eine eigene Struktur, eine schwarze Struktur für explizit Ostdeutsch.

00:50:48: Wie war das Verhältnis?

00:50:51: Also hat man es auch als kolonialen Übergriff empfunden.

00:50:54: oder ist das gut zusammengelaufen?

00:50:56: Erzähl doch mal.

00:50:59: Ich glaube, dass immer noch aufgearbeitet werden muss.

00:51:04: Es gibt gar nicht oder kaum Forschung dazu wie dann eigentlich die Prozesse innerhalb der ISD verlaufen sind bzw.. Ja, wie gesagt ich glaube das war auch so ein bisschen die Motivation von der Workshop Reihe an sich.

00:51:27: Sich auch innerhalb der schwarzen Community mit der ostdeutschen Geschichte sozusagen auseinanderzusetzen.

00:51:35: aber es gibt in der Zeitung Afro-Look beispielsweise verschiedene Beiträge.

00:51:42: also Afro Look war damals eine Zeitung die zwischen in den achtziger Jahren und neunziger Jahren von vor allen Mitgliedern der ISD, der schwarzen Community.

00:51:54: Vor allen Dingen Berlin rausgegeben wurde wo verschiedene Themen auch platziert wurden die Schwarze Menschen damals betroffen hat.

00:52:06: Es war aber auch eben ein Medium was auch eher als Kommunikationsmittel innerhalb der schwarzen Community funktioniert hat.

00:52:16: Und da gibt es auch Beiträge dazu, wo Leute oder Personenmitglieder der ESD gefragt haben ob es nicht gerade im Osten eigentlich andere Formen der Organisation braucht.

00:52:34: Einfach weil in der DDR bestimmte politische Strukturen vorgegeben wurden bestimmte auch irasische Strukturen irgendwie die ganze Zeit existiert haben.

00:52:48: Und die Frage danach war, genau müssen diese Strukture nicht vielleicht auch eigentlich angepasst oder neu gedacht werden?

00:52:56: Weil es eben nicht nur additiv passieren kann dass Leute dann auf einmal dazukommt und das muss sich vielleicht in den Strukturn widerspiegeln.

00:53:06: Ich glaube eine Forschung dazu wie das dann diese Diskussion weiter ausgehandelt wurde.

00:53:14: Aber das ist ja genau, was ihr macht.

00:53:16: Ihr setzt euch auseinander mit diesen Geschichten auch der Organisation und der Institutionen, der Gruppeninitiativen plus irgendwie so eine biografische-autobiographischen Mappingerzählung des Leute Geschichten beitragen zusammenzubringen.

00:53:31: Ich meine es gibt ja auch Projekte wie zum Beispiel Kananeigensinn im Bruderland von Julia Elkers diese schöne Webdokumentation eigentlich genau zu den Vertragsarbeiten aus Mosambik und anderen Ländern.

00:53:42: Das sind ja auch schon so Archive, die decidiert aus einer antirassistischen Perspektive gebaut worden sind.

00:53:49: Aber ihr macht noch mal was anderes oder baut das darauf auf?

00:53:53: Oder sagt doch nochmal, dass vielleicht nochmal das Neue ist und zwar ein neuer Projekt?

00:54:01: Das Neue liegt allein darin, dass sich schwarze Ostdeutsche oder ostdeutsch positionierte Personen... Mit dieser Geschichte auseinandersetzen, mit ihrer eigenen Geschichte.

00:54:15: Die Geschichte ihrer Familie sozusagen und damit eben auch ja ich würde schon sagen gerade auch über dem biografischen Bezug und den Zugang zu persönlichen Geschichten gerade diese staatliche Archive auch hinterfragt werden können.

00:54:39: Zum anderen ist mir auch immer wieder aufgefallen, wie innerhalb der Archive ja nicht nur die Inhalte bestimmte Narrative reproduzieren sondern auch die Struktur von den Archiven selbst.

00:54:56: Also wo wird was einkategorisiert?

00:54:58: Wie wird etwas beschrieben oder katalogisiert und sozusagen da auch anzusetzen um die Möglichkeit zu haben Wie gesagt, eine schwarze ostdeutsche Präsenz als Prämisse zu sehen verändert das schon allein mit welchen Kategorien vielleicht auch gearbeitet werden kann und welche Geschichten wie in Verbindung gesetzt werden können.

00:55:26: Und da eben auch uns glaube ich ganz wichtig ist sich einfach gezeigt hat, dass wir da auch über so ein nationalstaatliches Denken eigentlich über hinausgehen und ja aber auch ein Verständnis vom Lokalen darüber hinaus gehen.

00:55:46: Also dieses Archiv bezieht sich eben nicht nur auf den Raum Dresden oder so sondern es geht auch um die Beziehungen zwischen den Orten miteinander, die wir auch empfinden weil ich höre gerade viele Personen, schwarze Personen in Ostdeutschland auch in anderen Städten mal gelebt haben.

00:56:07: Also jetzt von den Teilnehmenden sozusagen da in unterschiedlichen Communities aktiv waren die Communities untereinander ja auch vernetzt sind also diese Geschichten ja gar nicht voneinander getrennt werden können und dann gleichzeitig eben diesen transnationalen Schritt.

00:56:23: ich glaube es geht schon auch viel daran oder darum um mir ging's auch glaube ich darum meine Forschung in Mosambik zugänglich zu machen, um vielleicht auch eine Verbindung, das heißt jetzt nicht ein Kontakt oder irgendwie telefonisch aufzubauen.

00:56:41: Aber eine Verbindungslinie herzustellen die sozusagen gebrochen wurde aber die trotzdem noch existieren kann.

00:56:51: Also sie überläuft das Nationale und es unterläuft es gleichzeitig eben auch Und es schafft was Neues und das ist eine Art der Organisierungsrechte verstanden hat.

00:56:59: Leute organisieren sich darüber, bilden Netzwerke, neue Artenbeziehungen bauen sich auf?

00:57:03: Genau!

00:57:04: Und dadurch auch nur... ich glaube in einer anderen Form von Forschung und Archivarbeit als eigentlich so Kerarbeit.

00:57:10: also es geht ja auch wirklich um so ne... Ich glaube Patrice hatte das mal an einem Gespräch gesagt um so eine vielleicht auch historische Nachsorge.

00:57:20: Also wie beschäftigen uns mit den Geschichten Auch um vielleicht dann doch auch ein Stück weit reparieren zu können.

00:57:32: Oder was heißt reparieren?

00:57:33: Das hört sich mal jetzt so kriptisch an, wenn man es so sagen kann aber ja Reparation oder Heilung irgendwie auch innerhalb der... ...oder in Verbindung mit unseren Geschichten sozusagen.

00:57:46: Daran drückt sie auch andere Eigentlich schon eine andere Vorstellung an einer anderen Zukunft aus.

00:57:53: Also ich meine, das was wir hier in der Stiftung war sehr stark als utopisches Erinnern bezeichnen und meine Erinnert eigentlich für eine andere Zukunft, für ein anderes Selbstverständnis auch von diesem Verhältnis nicht von dieser Gesellschaft.

00:58:09: Genau damit auch ja eine alternative Archivpraxis sozusagen angestrebt wird schon allein dadurch dass sie dynamisch ist die es nicht abgeschlossen und ja vor allen Dingen auch lebt von den lebendigen Austauschrahmen, die wir sozusagen schaffen.

00:58:27: Also es war eine spannende Unterhaltung jetzt dieses Wochenende wo's dann darum ging dass jetzt ja dann auch diese ganzen Materialien mit denen wir uns auseinander gesetzt haben auch in einem Seen überführt werden sollen wie auch gerade Ja, diese Momente des Austauschs.

00:58:52: Diese Prozesse die vielleicht gar nicht abgebildet werden können in einem Archiv wie die trotzdem vielleicht in so ein Archiv oder in dieses Scene aufgenommen werden können.

00:59:04: Genau

00:59:04: dieses Scene also hier im Magazine Fan-Scene.

00:59:08: das ist sozusagen das Produkt was ihr am Ende jetzt rausbringen wollt.

00:59:12: Material richtiges Heft oder wie stelle ich mir das vor?

00:59:16: Das kommt irgendwann demnächst hoffentlich irgendwie aus.

00:59:19: Aber noch mal was anderes ist das Archiv, wenn ich es richtig verstanden habe, ist es wie so ein lebendiges Archiv.

00:59:24: Oder wo findet man eigentlich die Inhalte des Archivs?

00:59:26: Also wo sind diese ganzen Ergebnisse?

00:59:30: Wo kann man das irgendwo einsehen?

00:59:33: Ich frage noch gleich zu sehen, was das ist aber erstmal diese ganze Archiefer bei diesen ganzen Mapik und den ganzen Geschichten eurer Auseinandersetzungaufarbeitung.

00:59:42: Wo kann ich das finden?

00:59:44: Ich glaube, das lässt sich gar nicht so gut voneinander trennen.

00:59:48: Einfach weil es natürlich ein Riesenprozess ist, so einen Archiv zu schaffen und das auch zugänglich machen zu können.

00:59:58: Das hat viele verschiedene Herausforderungen und deswegen ist es gerade tatsächlich auch erstmal ein internes Archiv wo gerade auch die Workshop teilnehmenden Zugang zu haben.

01:00:12: Aber das Sin soll sozusagen auch wieder als Kommunikationsmittel dienen, um Leuten die Möglichkeit zu geben.

01:00:20: Zu wissen dass es Anknüpfungspunkte gibt und dass es dieses Archivmaterial gibt, dass es diese Recherche gab.

01:00:28: Die Idealvorstellung wäre natürlich dieses Archive zu digitalisieren und dann vielleicht auch in einer anderen Form einem größeren Umfang zugänglich machen zu können.

01:00:40: Also mit dem Sin trettet ihr da nach außen Geht ihr damit auf Reisen?

01:00:44: Stellt ihr das vor, wird das Zehntausendmal gedruckt.

01:00:47: Wie kann man sich das vorstellen?

01:00:47: und macht ihr damit noch mal politische Bildung?

01:00:49: Das ist ja sozusagen das Fenster.

01:00:51: oder zu eurer Arbeit wenn ich es jetzt verstehe.

01:00:54: Es waren viele Aushandlungsprozesse die wir auch im letzten Workshop hatten wo es nochmal konkret darum ging für wen wir eigentlich dieses Sin machen oder auch dann das Archiv oder was wir auch dokumentieren wollen, dokumentiert haben wollen in dem Sin und auch im Archiv wieder, also wie viel auch zum Beispiel aus unserem persönlichen Archivem dann vielleicht darin Einklang findet.

01:01:22: Und haben uns jetzt erstmal den Rahmen so vorgestellt dass wir eigentlich ganz gerne vor allen Dingen erst mal andere schwarze ostdeutsche Menschen die nicht die Möglichkeit hatten oder einen Bezug zu Ostdeutschern und der DDR haben und die nicht mit die Möglichkeit hatten, an den Workshops teilzunehmen zu erreichen.

01:01:45: Und auch darüber zu informieren was wir ausgearbeitet haben welche Prozesse es lief oder liefen aber auch gleichzeitig die Möglichkeit geben wollen weil so ein Sinjar also ich glaube das ist eine sehr spezielle Möglichkeit Dinge zugänglich zu machen und zum einen kann es relativ Einfach vervielfertigt werden.

01:02:09: Ich kenne so Scenes von früher noch aus meiner guten alten Pankerzeit, das ist ja ein bisschen low-levelig, so do it yourself mäßig, Leute können da rein malen, zeichnen Texte, Collagenarty... Also es ist meine Fantasie, weiß nicht?

01:02:26: Genau!

01:02:27: So ähnlich tatsächlich.

01:02:31: bei dem letzten Workshop eben diese ganzen partizipativen Prozesse, wo Leute auch nochmal selbst ausarbeiten konnten wie und in welcher Form bestimmte Inhalte auch in dem Sinn gezeigt werden können oder sollen.

01:02:51: Und daran einknüpfen haben wir uns sozusagen auf den Weg gemacht um das auch umzusetzen.

01:03:00: Und dabei ist eben rausgekommen, oder dabei ist die Idee entstanden dass wir gerne schwarze Ostdeutsche erreichen wollen.

01:03:15: Die nicht die Möglichkeit hatten daran teilzunehmen aber sich auch selbst ins Sin einschreiben zu können.

01:03:22: weil bei einem Sin wie du gerade meintest die Möglichkeit besteht da einfach reinzuschreiben wenn wir überlegt, ob wir vielleicht wirklich auch Reflektionsfragen mit reingeben oder bestimmte Stellen freilassen wo Menschen ihre eigene Geschichte dann auch noch reinschreiben können.

01:03:38: Sie funktionieren ja eigentlich auch so dass da reingeschrieben werden kann und sie dann auch nochmal ausgetauscht werden.

01:03:45: also die Möglichkeit bestünde auch das tatsächlich wie eine Art Bildungsmaterial zu benutzen und zum Beispiel nochmal Workshops zu geben könnten auch interne Workshops sein für die Community, wo Leute dann eintragen, bestimmte Felder ausfüllen und uns auch noch mal miteinander tauschen.

01:04:04: Also ich glaube es bietet dahingehend auch wirklich auch nochmal die Möglichkeit ein dynamisches Kommunikationsmittel zu sein.

01:04:13: Okay also ich bin total gespannt auf diese Szene!

01:04:15: Ich freue mich sehr darauf, bald vielleicht hoffentlich in den Händen halten zu können.

01:04:20: toll, Marisa das du uns Einblick gegeben hast in eure echt wichtige Arbeit wie ich finde.

01:04:25: und ja wir bleiben euch auf der Spur und solidarisch mit euch verbunden.

01:04:31: Und vielen Dank dass du bei uns was im Manipod

01:04:33: findest.

01:04:34: Danke für die

01:04:35: Einladung!

01:04:37: Ihr hörtet die zweindreiste Folge des Manipods mit Marisa Singapinto zur schwarzen Geschichte Ostdeutschlands.

01:04:43: Alle Show Notes und weiterführenden Links zum Thema findet ihr wie immer auf www.rosalux.org.

01:04:48: slash Manipot Macht's gut und bis zum nächsten Mal!

Über diesen Podcast

ManyPod - der Podcast für die Gesellschaft der Vielen

Von und mit Massimo Perinelli.

The Umvolkung is finally here! Der ManyPod ist ein Gesprächs-Podcast, der euch die Kämpfe der Migration um die Ohren hauen möchte. Wir unterhalten uns mit Freund*innen und Genoss*innen aus der Bewegung, der Wissenschaft, Kultur und Politik darüber, wie wir die Verhältnisse zum Tanzen bringen können.

von und mit Massimo Perinelli

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